Sanostol

Das Fassadenprojekt geht in die heiße Phase! Nach einer Woche Trocknungszeit (wenn’s nicht fertig wird, ich kann nix dafür! Muss ja alles immer ewig trocknen! Ach, wären wir doch bei Zuhause im Glück!) hat der gute M. aus B. mir Anfang der Woche unter die Arme gegriffen und das ganze Haus in ein Mäntelchen aus Putzgrund gehüllt. Darauf bin ich nun mit dem Reibeputz angefangen, und die Motivation steigt! Wenn’s schön wird (und so bleibt!), macht’s ja auch Spaß. Und dieses ist ja nun die letzte Schicht, na Gottseidank.

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Faschen-Anzeichner: Selfmade.

Um die Fenster herum und an den Gesimsen möchte ich, historisch korrekt, Faschen einarbeiten. Das sind Streifen um diese Öffnungen, die nicht den strukturierten Reibputz haben, sondern glatt sind. Ich hatte erst überlegt, dort dann einfach den Unterputz stehen zu lassen und den weiß anzustreichen, aber mich dann doch für den Faschenputz entschieden. Dazu später mehr. Zunächst muss das Ganze angezeichnet werden; die Faschen werden alle 7 cm breit, daher ein einfaches Tool, das die Linie der Laibung in 7 cm Abstand kopiert (siehe Bild). Der klassische Weg, gerade bei dicken Putzen, ist das Ausmessen mit einer Wasserwaage und dann per Brett abdecken. Da frage ich mich dann aber immer, wenn das Fenster schief ist, und der Faschenrand gerade – sieht dat aus?

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Abkleben

Anstatt Brett habe ich bei meinem Reibeputz mit einem PVC-Klebeband („Putzerband“) abgeklebt und den Putz bis auf die Bandkante aufgetragen und mit dem Reibebrett strukturiert. Das Band wird dann direkt danach abgezogen, also wenn der Putz noch feucht ist. Der Putz stellt sich dann an der Stelle ein wenig auf, so dass sich eine klare Kante ergibt:

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Voilà!

Auf diese Fasche und in der Laibung sowie auf der Fensterbank wird nun der Faschenputz aufgetragen. Dessen Körnung geht gegen 0, während der Reibeputz 1,5mm Korn hat. Den Faschenputz nehme ich auch für den Traufkasten. Er wird mit der Traufel scharf aufgezogen, wenn sich bei diesem Vorgang noch kleine Grate zeigen, ist noch zuviel Material auf der Fläche; dann so lange abziehen, bis alles glatt ist.

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Faschenputz

Das ist schon Handwerkskunst, man braucht etwas Geduld und Muße dafür, aber wenn es fertig ist, sieht’s schon ziemlich gut aus. (Und jetzt darf ich wohl auch mal ein bißchen stolz sein dass ich das kann! Ätsch!) Im Gegensatz zu den großen Reibeputzflächen, bei denen man viel schafft (Momentane Zeit: Etwa 8 Minuten pro m²), halten die Feinheiten etwas auf. Insgesamt geht es aber flott voran, und ich fühle mich voll im (strammen) Zeitplan.

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Fertige Putzfläche mit Faschenstreifen

Die Dachziegel sind nun auch geliefert („Ach, sie wollten gar nicht Anthrazit? Dann muss ich nochmal schnell umbestellen…!“) und die Dachdecker müssen ’nur‘ noch decken UND DAS VERDAMMTE LOCH ZUMACHEN.

Und nebenbei läuft ja auch noch das Fensterladen-Projekt! Denn die müssen idealerweise auch dran, wenn das Gerüst noch steht. Und so habe ich heute den ersten verleimt und verzwingt. Die ganzen Lamellen einzufädeln, ist ein schönes Geduldsspiel; jeder, der schonmal ein Gitterbettchen zusammengebaut hat, wird das kennen.

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Fensterladen-Verleimung

Mein Trick ist folgender:
1. Die Lamellen an einer Seite schonmal inkl. Lamello verleimen
2. Eine Schiene/Latte/irgendwas in der Mitte drunterlegen, damit nicht ständig was runterfällt
3. oben anfangen und die erste Lamelle locker reinsetzen, mit einer langen Zwinge etwas fixieren
4. den freien Schenkel des Rahmens öffnen und am unteren Ende ebenfalls eine lange Zwinge setzen
5. Jetzt eine Lamelle nach der anderen einsetzen und die untere Zwinge jedes mal ein paar Millimeter schließen

Wenn jetzt noch alle Lamellen genau gleich lang gewesen wären… ach, ist schon ok. Wenn erstmal Farbe drauf ist…

Nebenbei habe ich mir noch Gedanken zur Befestigung gemacht, weil das Mauerwerk hier erfahrungsgemäß dafür eher mäßig ist; ich werde da wohl mal Dübel mit Injektionsmörtel ausprobieren (hier). Die gibt es eigentlich im System mit entsprechenden Ankern, aber ich habe ja Kloben für die Läden. Vielleicht Bohren, Loch saubermachen, Injektionsmörtel, Dübel reinstecken, aushärten lassen, Kloben rein? Wenn schonmal jemand sowas gemacht hat, freue ich mich über Erfahrungsberichte.

Und sonst? Ist schon schön, wenn das alles bald fertig ist. Das Haus ist umgeben von Abdeckvließ, Gerüst, Staub und Dreck. Die Fenster sind mit blauer Schutzfolie bezogen, und wir führen daher seit Wochen ein blaues Leben. Die Kinder kriegen schon Sanostol wegen des fehlenden Tageslichts, der Katze fällt das Fell aus und die Milch schmeckt irgendwie nach Fisch. Das meiste Tageslicht (abgesehen von draußen, ach ja, da kann man ja auch hin! Ach nee, prasselt ja der Putz auf’n Kopp!) fällt momentan in die Kellerräume, weil die keine Fensterschutzfolie haben.

Da geh ich jetzt auch wieder hin und baue noch einen Fensterladen, oder mache mir ne schöne Flasche Sanostol auf. Prost!

 

Was für ein Zirkus!

Im Moment bin ich noch etwas bettlägrig, aber mit der richtigen Dosis Ibuprofen werde ich gleich wieder das Gerüst erklimmen. Im Rücken zwickt es noch mächtig und es fühlt sich verdächtig nach einer Art Bandscheibenvorfall an. Ich habe da die gefühlt 12 Tonnen schwere Plane eines Zirkuszeltes in Verdacht, zu dessen Abbau an der Grundschule meines Sprößlings ich mich als stets einbringendes Elternteil gemeldet habe und bei dem besagte Plane in Wurstform (was ja so erstmal sympathisch wirkt) von unten umklammert und auf einen Anhänger gehievt wurde. Ich glaube, dass war der Zeitpunkt, an dem der Bandscheibenring sich leise verabschiedet hat. Aber ich habe schon gegoogelt, man kann eh nicht viel machen außer Schmerzmittel nehmen, und wenn man Glück hat ist es in ein paar Wochen wieder weg. Also, helau.

Währenddessen geht es an der Fassade gut voran. Gegen so ein Zirkuszelt ist mein Fassadenprojekt sowieso ein müder Fliegenschiss!

Als ersten Schritt habe ich sämtliche lose und hohle Putzstellen per Hammer entfernt. Weitere lose Bröckchen machten spätestens die Biege, als ich die gesamten Flächen per Hochdruckreiniger abgestrahlt habe. Wichtig ist hier eine rotierende Dreckfräse:

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Fassadenreinigung

Die Fehlstellen werden dann mit einem normalen Maurer- und Putzmörtel wieder aufgefüllt, abgerieben und gefilzt:

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Mörtelauftrag

Risse habe ich mit der kleinen Flex etwas „aufgeschnitten“ und dann mit Strukturacryl (hier Beko Strukturdicht) gefüllt:

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Rissbehandlung

Die so vorbereitete Fläche bleibt einen Tag stehen und muss dann grundiert werden. Der eigentliche Putzgrund kommt später, zunächst reicht einfacher Tiefengrund, den ich mit der Unkrautspritze aufgetragen habe. Dazu habe ich mir übrigens noch eine zweite Spritze angeschafft, die mit Wasser gefüllt ist. nach getaner Grundierungsarbeit wird dann der Schlauch einfach in die zweite Spritze eingesetzt und mit Wasser durchgespült. Wenn der Tiefengrund nämlich länger als, sagen wir mal 10 Minuten, unbewegt im Schlauch steht, kann man diesen danach entweder wegschmeißen oder in einer stundenlangen Prozedur freiprokeln und reinigen. Ich habe beides schon ausprobiert.

Die Grundierung bleibt nun acht Stunden zur Trocknung stehen, und es folgt nun das spannende Kapitel Armierung. Da ich hier bisher nur wenig Erfahrung hatte, machten sich hier Ängste breit, ob das alles so gut klappt oder ob ich pro Quadratmeter zwei Wochen brauchen würde.

Tatsächlich hat es allerdings sehr gut geklappt und am ersten Tag konnte ich ein Hauswand-Oberteil, also ein Achtel, wenn man so will, fertigstellen. Der Laier Renovierputz mit Fasern lässt sich gut verarbeiten und es entstehen glatte Flächen, bei denen ich selber staune und Tränen in den Augen habe, weil es so schön geworden ist. Naja, und wegen dem Rücken.

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Armierungsgewebe einbetten

Mit einer Zahnkelle 4x4mm wird der Mörtel auf die Fläche aufgekämmt. Vorher werden die „Sonderteile“ angebracht, sprich Eckwinkel, Fensterarmierung und Anputzleisten an den freien Kanten der Putzflächen. Womit ich übrigens gar nicht klar gekommen bin, ist das PVC-Anschlussprofil für den Fensteranschluss. Das hat auf der Wandseite noch einen Steg, der ein paar Millimeter Abstand schafft, so dass das Gewebe hohl liegt und das Profil kippt. Viellelicht ist das für WDVS gedacht? Ich lasse die Dinger jetzt im Karton, versuche, sie zurückzugeben und setze auf mein gutes, altes Trennfix-Band, daraus mache ich dann am Ende eine schmale Acrylfuge an alle Anschlüsse.

Wenn der Mörtel, erstmal auf Bahnbreite, per Zahnkelle aufgezogen ist, wird das Gewebe eingelegt und mit der Traufel angedrückt. Nebeneinanderliegene Gewebe müssen sich immer mindestens zehn Zentimeter überlappen. Dann wird, ebenfalls per Traufel, noch eine Deckschicht von etwa 3mmm aufgetragen und mit einem großen Fassadenspachtel geglättet.

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Erster Teil – sieht doch schon ganz gut aus!

Auf diese Schicht kommt dann später die Putzgrundierung und der Reibeputz. Dadurch kann man jetzt im 1-2mm-Toleranzbereich arbeiten. Große Wellen sollte man allerdings vermeiden; allerdings hat man durch die Armierung eine schöne Referenzschicht, und der große Fassadenspachtel macht das Glätten leicht.

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Links fertige Fläche, mittig gerade eingelegtes Gewebe, rechts Originalzustand

Und so muckelt man sich Meter für Meter voran. Die Gerüstanker muss ich erstmal mit einbetten; sie werden dann, wenn das Gerüst weg ist, nachgearbeitet. Dazu habe ich mir schon einen Raketenrucksack bestellt. (Auch von Binford!)

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Tagesziel erreicht: Oberer Teil fertig

Obwohl ich genau so viel Zeit eingeplant hatte, habe ich die Hoffnung, dass es mit etwas Routine schneller geht. Außerdem habe ich in den nächsten Tagen vermutlich einen Helfer als Vorhut für den Zahnkellenauftrag, das sollte das Ganze dann auch nochmal beschleunigen.

Nicht zu vergessen die beiden Krankenschwestern, die mich die ganze Zeit auf dem Gerüst umhertragen, wegen dem Rücken. Oder ich hänge mich an eine Seilwinde und mache das im Fliegen. Oder doch der Raketenrucksack?

Bilder davon gibt es dann nächste Woche. Cheerio!

 

Vogelhaus aus Blitzzement

Der heutige Suchbegriff  „leitung unter ziegel machen“ (WAS?!?) veranlasste mich dazu, meine All-Time-Top-10 der Suchbegriffe auf meinen Blog zu verfassen (so viel Zeit muss sein):

10. „schalter und steckdosen tauschen mit nebengewerbe“

9. „gibt es laser für schiefe wände spachteln“

8. „wie und in welcher richtung steckt man led lampen in rigipsdecke“

7. „wie wende ich beim hausbau den satz des pythagoras an“

6. „nicht tragende wand entfernt alle zargen verzogen „

5. „streichrauhfaser kabelschlitze“

4. „feuerfester bauschaum“

3. „reibeputz fußboden“

2. „streichraufaser über fliesen“

and the winner is:

1. „dachboden mit bauschaum demmen“

Apropos Dachboden: Nach Abschluss des Kapitels „Spachteln und Schleifen“ kommen jetzt die ersten Oberflächenarbeiten, und das sind motivierende Tätigkeiten, denn die Räume sehen plötzlich ganz anders aus („warte ab, wenn erstmal Farbe drauf ist!“). Als Wandbelag habe ich mir einen feinen Reibeputz ausgedacht.

Ich glaube, Putz ist im Innenbereich eine oft unterschätzte Wandgestaltung. Es gibt halt nicht nur Farbe und Tapeten. Viele denken bei „Putz“ an Außenputz oder groben Rauhputz mit dem Charme eines bayrischen Wirtshauses.
Aber feiner Putz mit 1 – 2 mm Korn sieht im Innenbereich meiner Meinung nach total gut und filigran aus und hat überhaupt nichts grobes oder rustikales. Ich habe einen Reibeputz mit 1,5mm Korn gewählt, hier mal ein Detailbild der Struktur:

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Reibeputz 1,5mm Körnung

Bevor aber geputzt werden kann, muss erst grundiert werden! Was aber tut eigentlich Grundierung?

Eine Grundierung sperrt in diesem Fall die Gipskartonwand ab und sorgt dafür, dass sie nicht mehr so viel Wasser aufsaugt. Würde man ohne Grundierung verputzen, zöge die Wand zu schnell und zu viel Feuchtigkeit aus dem Putz, und dieser würde Risse bekommen oder sogar wieder abfallen. Und da man selbst im Baustoffhandel meines Vertrauens unsicher war, ob nun Tiefgrund oder Putzgrund das Richtige ist, und da ich zwei verschiedene Verkäufer zu verschiedenen Bauphasen habe, ist jetzt ein Raum mit Tiefgrund und einen mit Putzgrund 🙂

Tiefgrund ist auf jeden Fall nicht verkehrt und ist auch die richtige Wahl wenn z.B. tapeziert werden muss. Er wird mit dem Quast aufgetragen und ist relativ farblos.

Der Putzgrund ist schon weiß eingefärbt, das ist praktisch, wenn man im Reibputz kleine Riefen hat, an denen sonst das grün der GK-Platte rausschauen würde. Weißen Reibeputz auf weißem Putzgrund muss man sehr wahrscheinlich nicht nachstreichen. Und es gibt noch einen Vorteil: Der Putzgrund hat nach dem Trocknen eine leicht griffige Struktur durch kleine Partikel, die die Haftung des Putzes verbessern. Also: Beides geht, Putzgrund ist noch besser.

Nach dem Trocknen (12-24 Stunden, je nach Herstellerangabe) kann dann verputzt werden. Ich nutzte diese Zeit, um noch eine Kaminofenklappe auszutauschen. Wenn mal irgendwann ein Ofen kommt, muss die Klappe sowieso neu (Auflage Schornsteinfeger), und da Staub und Dreck eh grad Thema sind, hab ich die dann mal neu gemacht.

Zunächst wird die alte Luke rausgestemmt, ganz konventionell mit Hammer und Meißel:

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Loch!

Die neue Klappe wird dann nicht geschraubt oder genagelt (nein, auch BAUSCHAUM ist keine Option! Aber vielleicht geht es mit dick aufgetragener Streichrauhfaser?) sondern mit Schnell-Zement eingemauert. Es muss kein Feuer-sonstwas-Zement sein, jeder normale Zementmörtel ist hitzebeständig genug dafür. Schnell/Blitzzement deshalb, weil man ansonsten die Klappe für die Trocknungszeit fixieren müsste, damit sie nicht wieder rauskippt.

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Sopro hat wieder alles gegeben!

Ich wählte einen Montagemörtel von Sopro, und wie es bei Sopro immer so ist: das, was sie machen, machen sie gut. In diesem Fall wurde scheinbar Priorität auf die Silbe „Blitz“ gelegt, und tatsächlich wird das Zeug in gefühlten 3 Mikrosekunden knüppelhart. Da is nix mit nochmal schön modellieren und nachreiben und anhübschen! Zack-feddich. Fest.

Das ist übrigens auch der Grund, warum es weder hier noch sonst irgendwo Bilder vom Einbau einer Ofenklappe gibt. Es gibt immer nur vorher-nachher-Bilder und Videos (das hier zum Beisipel), weil der Blitzzement so schnell trocknet, dass zum fotografieren keine Zeit bleibt. Daher hier auch nur das Nachher-Bild:

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Drin!

Achja, die Ränder des Loches, also die Stellen, wo der Highspeedzement aufgetragen wird, müssen natürlich abgefegt und vorgenässt werden. Generell ist vornässen (mit Quast oder so) beim Hantieren mit Zement, Mörtel usw. immer eine gute Idee, denn das ist zumindest eine rudimentäre Haftbrücke und das Zeug wird besser halten als auf trockenem oder gar staubigem Untergrund.

Dann wird die Klappe in ein üppiges Mörtelbett (an allen vier Innenseiten der Öffnung) gedrückt und (schnell) gerade ausgerichtet. Die Innenseiten werden dann mit der Kelle geglättet, schnell, schnell, dann noch Außen bisschen dran, oooohhhh, bloß schnellll….überschüssigen Mörtel abstreichen, bisschen glätten – ups, zu Granit geworden.

Wenn die Klappe schön sitzt, kann man die Tür wieder einhängen (die sollte man während der Montage rausnehmen, damit die Klappe durch das Türgewicht nicht rausfällt) und alles ist schön:

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Nee, wat schön!

Nun geht’s aber mit dem Putz los! Viele haben Angst davor, aber wenn man es eingigermaßen kann, ist es fast noch leichter als tapezieren. Ich habe mir das übrigens von „M1MOLTER“ abgeschaut, der einen Youtube-Channel mit tollen Heimwerkertips betreibt. LINK

Ähhnlich wie beim Spachteln und wie bei vielen anderen Tätigkeiten auch, gibt es meistens ein Geheimnis, und wenn man das weiß, geht’s wie von selbst. Beim Reibeputz ist das Geheimnis: „Auf Kornstärke aufziehen“ (ist ja eigentlich gar kein Geheimnis). Man trinkt also ein paar Korn, bis man eine gewisse Kornstärke erreicht hat, und dann haha

Der Reibeputz (hier: Fertigmischung von Laier) wird mit der Traufel auf die Wand aufgetragen. Für mich hat sich eine Arbeitsrichtung von unten nach oben bewährt.

Kornstärke heißt, dass die Putzdicke beim Aufziehen der Kornstärke (1,5mm in diesem Fall) entspricht. Dazu sollte man die Traufel ungefähr in diesem Winkel halten:

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Aufziehen mit der Traufel

Wenn man zu „scharf“ aufzieht (Winkel Richtung 90° zur Wand), trägt man den Putz zu dünn auf, wenn man den Traufel zu flach hält, wird der Putz zu dick. Und das merkt man spätestens beim Abreiben. Hat man den Putz nämlich vollflächig aufgezogen, wird mit einem Reibebrett die Struktur hineingebracht. Ich mache immer Kreisbewegungen, aber auch horizontale, vertikale oder sonstwas-für-Bewegungen wären denkbar.

Beim Abreiben muss es sich also so anfühlen, als würde man Kieselsteine auf die Straße schütten und dann ein Brett darauf herumreiben. Es muss ganz leicht gehen! Wenn es sich klebrig, zäh und schwer anfühlt und die Struktur nicht gleichmäßig wird, ist der Putz zu dick. Das Reibebrett muss immer wieder an der Traufel abgestrichen werden, damit es frei von überschüssigem Putz ist. Abgerieben wird übrigens eher von oben nach unten, weil ja immer was runterfällt.

Ganz am Ende gehe ich nochmal mit groooßen Kreisbewegungen über die Fläche, schaue mir das Ganze gut an und korrigiere hier und da noch Unregelmäßigkeiten in der Struktur.

S0 vorgegangen, habe ich einen Raum in ziemlich genau einem Tag geschafft. Und es sieht gut aus! 🙂 Die Wände sind kaum wiederzuerkennen. Und ich erst:

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Schweinerei!

Beim Putzen der Dachfenster-Innenseite-oben-über-Kopf wird dann auch schonmal die Visage gesprenkelt.
Zum Schluss noch eine Umfrage: Hier dürfen die Blogleser entscheiden Anregungen geben!
In welcher Farbe sollen die Holzbalken gestrichen werden? Hier sind sie nochmal im fertig geputzter Umgebung zu sehen:

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Hell? Dunkel? Gelb? Grün? Ein frisches Mausgrau?
Also bitte die Farbvorschläge als Kommentar hinterlassen.

Nächstes mal geht es weiter mit der Strom-Arie! Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich elektrische Dinge hier zeigen, geschweige denn erklären sollte? Vielleicht lieber was harmloseres.

Dann zeige ich halt doch endlich mal, wie man ein Vogelhäuschen baut.

Aus Silikon, Bauschaum und Streichrauhfaser.

 

 

Kapitel abgeschlossen

Die Baustelle beim Kollegen ist -zumindest für mich- beendet. Morgen ist Einzug und seit Anfang des Jahres haben wir alles gegeben um aus einem alten Schweinestall eine schicke, kleine Wohnung zu machen! Es ist wirklich nicht wiederzuerkennen, und man kann allenfalls erahnen, welche Arbeit drinsteckt.

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vorher – Rohbauzustand, Boden aber schon mit Schweißbahnen versiegelt

Zunächst wurde der alte Stall entrümpelt und die Trennmauern und Tröge dem Erdboden gleichgemacht. Die Löcher zu den Güllegruben wurden abgedichtet und der Putz abgeschlagen (vor Allem geruchstechnische Gründe). Im Bad wurde eine Tür und ein Fenster zugemauert und eine neue Türöffnung samt Türsturz geschaffen sowie eine Zwischenwand entfernt.

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nachher-letzte Restarbeiten

Der Boden wurde mit Trockenestrich gemacht. Dazu wurde der bestehende Steinboden mit Beton auf ein Level gebracht und dann mit Schweißbahnen abgedichtet. Darauf kam eine Ausgleichsschüttung von Ridigur, Dämmschicht aus Schaumkunststoff und schließlich verklebte Rigidur-Gipsfaserplatten. Unter dem Boden konnten praktischerweise auch die Heizungsrohre verlegt werden.

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andere Seite-die Wölbungen der ehemaligen Stalltüren und -fenstern wurden beibehalten

An den Außenwänden wurden Trockenbauwände als Vorsatzschalen errichtet, inklusive Dämmung, Dampfbremse und Beplankung mit OSB-Platten und Gipskarton. Ein Schlafzimmer wurde mit Ständerwerk aus Metallprofilen errichtet und ebenfalls so beplankt. Die Decke wurde mit Holzbalken in Balkenschuhen an den Außenwänden abgehängt. Im Stall ist nämlich eine alte Ziegeldecke, die nicht dadurch belastet werden durfte. Die abgehängte Decke wurde ebenfalls mit Gipskarton beplankt.

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das Bad

Im Bad wurden die zugemauerten Ecken verputzt, Fliesen verlegt und Sanitärobjekte neu eingebaut. Heizungen und Elektrik in der gesamten Wohnung neu; schließlich noch Fußboden verlegt, Malerarbeiten, Ofen inkl. neuem Außenschornstein installiert und, und, und. Rückblickend ging das ja doch alles recht schnell 🙂

Ich war nur ein kleines Rad im Getriebe; am Anfang habe ich die Maurerarbeiten gemacht (zugemauert, verputzt, Türsturz eingebaut) und beim Trockenbau mit beplankt. Weiterhin die Elektrik bis zur Verteilung installiert und mich dann einige Tage im Bad ausgetobt: Wand- und Bodenfliesen verlegt, Reibeputz aufgetragen und schließlich noch Duschkabine aufgebaut und Silikonfugen gemacht.

Das mit dem Reibeputz war eine schöne Sache: Den gibt es als Fertigmischung, er wird dann in Kornstärke (hier: 2mm) aufgezogen und nach einigen Minuten mit dem Reibebrett mit der gewünschten Struktur versehen. Mal was anderes als Tapete.
Zum Nachmachen gibt es eine schöne Anleitung hier.

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beim Auftragen des Reibeputzes im Bad

Apropos Tapete: Am Ende war -wie das immer so ist- etwas Zeitdruck bis zum Einzug, so dass man sich gegen klassische Rauhfaser und für Streich-Rauhfaser entschied. Das ist im Grunde eine Wandfarbe mit darin enthaltenen Holzstückchen. Sie wird dann gut aufgerührt und mit der Rolle an die Wände gebracht. Rein optisch sieht das Ganze tatsächlich aus wie Rauhfasertapete. Der Nachteil ist, dass sie gewisse Sachen nicht ganz so gut überdeckt wie richtige Tapete (zum Beispiel die Eckschienen) und man  beim Anfassen schon merkt, dass es „nur“ Farbe ist.

Etwas vermissen werde ich sicherlich das „Catering“ der Außenbaustelle, denn die Oma verwöhnte uns mit guter Küche und Sachen, die ich teilweise schon lange nicht mehr gegessen habe wie Bottermelksannballerse und Schnippelbohnen, Grünkohl oder Backbirnen.

Aber nun habe ich wieder die Zeit, zuhause weiterzumachen und ich werde mich ab nächster Woche intensiv dem Dachbodenausbau widmen. Dann werde ich auch wieder etwas detailliertere Arbeitsschritte zeigen können, und ich bin selber schon sehr gespannt, wie es mal wird! Man hat ja ein Bild im Kopf, wie es wohl fertig aussieht; mal schauen, ob Realität und Vorstellung sich schließlich decken.

Euch ein schönes Wochenende; ich schließe heute Kapitel Auswärtsbau und öffne Dachbodenprojekt: Bauabschnitt II 🙂

 

Kribbelig

Die Hochtrageparty war ein voller Erfolg! Nun, genaugenommen war es keine richtige Party…eher habe ich meine Auszubildenden zwangsverpflichtet freundlich gebeten, mir zu helfen, und nach getaner Arbeit gab es dann auch lecker Bratwurst vom Grill. Vielen Dank an dieser Stelle! Begründet habe ich das alles mit ausbildungsnaher Tätigkeit, Muskelaufbau, Logistik und Materialtransport. Sollen sie so ins Berichtsheft schreiben! 😉

Ehrlich gesagt war es doch äußerst anstrengend und ich hatte mir es auch etwas leichter vorgestellt, aber immerhin waren es rund 80 Gipskartonplatten (Einmannplatten), das war schon etwas sportlich. Im Vorfeld hatte ich Bedenken wegen der Metallprofile, die immerhin 4m lang sind. Ich hatte schon befürchtet, einen Kran ordern zu müssen, aber es hat erstaunlich gut geklappt, wenn man sie zu zweit fast hochkant durchs Treppenhaus balanciert.

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Da ist es!

Die GK-Platten habe ich auf dem Dachboden vorsichtshalber auf zwei Stapel aufegeteilt. Alle auf einen Haufen wären (rechne, rechne….) rund 1,2 Tonnen Punktlast für die Holzbalkendecke und wer weiß, ob sich dann der ganze Ausbau nicht erledigt hätte.

Das ganze Material ist jedenfalls oben und allmählich werde ich kribbelig! Nun muss es auch bald weitergehen! Leider habe ich im Moment noch zu wenig Zeit…

Nebenbei mache ich mir bereits Gedanken über die Beleuchtung. Angedacht habe ich Einbaustrahler. Bisher habe ich immer Halogen verwendet, aber die LED-Technik wird ja auch immer besser und mittlerweile gibt es auch Leuchtmittel, die den Raum nicht mehr in ein aschfahles Leichenhaus-Licht tauchen und deutlich heller sind als ein Glühwürmchen (das war lange nicht so!). Beispielsweise GU-10 LED-Leuchtmittel in 5 oder 7 Watt. Hat jemand Erfahrung? Gerne in den Kommentaren niederschreiben!

GU-10 bezeichnet dabei den Sockel, das ist der selbe Sockel wie bei den gängigen Hochvolt-Einbaustrahlern. GU-10 gibt es eigentlich nur als Hochvolt, der Vorteil der Niedervolt-Technik (längere Lebensdauer der Leuchtmittel) ist mit den LEDs hinfällig. Die Farbtemperatur ist als warmweiß erhätlich und das Beste ist, man kann sie ja tatsächlich dimmen! Philips hat beispielsweise für seine Leuchtmittel eine Liste mit Dimmern veröffentlicht (Hier der LINK) und auch bei unserem Elektro-Großhändler gibt es eine persönliche Dimmerberatung. Das direkte Dimmen von LEDs scheint also nicht mehr viel komplizierter zu sein als das Dimmen von induktiven Lasten, also dem Trafo der Niedervolt-Einbaustrahler; dafür braucht man ja auch spezielle Dimmer.  Und die 5W-Variante hat immerhin 320 Lumen (400 bei 7W), was etwa einer 40W-Glühlampe entspricht. Ich werde das Ganze dann mal ausprobieren und hier Bericht erstatten. Aber ich fürchte, bevor ich Lampen einbauen kann, habe ich noch etwas mehr Arbeit vor mir…

Was ist sonst noch passiert? Auf meiner B-Baustelle (die im Moment die A-Baustelle ist) helfe ich einem Kollegen im Moment beim Trockenbau und Tapezieren. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus in den letzten Tagen:

– Nachdem ich Hohlwanddosen jahrelang mit einer 67mm-Lochsäge gesetzt habe, habe ich mir letztens mal eine 68mm gekauft. Und siehe da: Die Dose lässt sich gewalt- und fluchfrei in das Loch setzen und sogar drehen und waagerecht ausrichten. Ohne Hammer, einfach so! Das ich da nicht eher drauf gekommen bin. Aber warum verkaufen die blöden Baumärkte dann alle 67mm?

– Beim Tapezieren das A und O: Heizung aus, Heizungsrohre die Wärme abstrahlen aus, Durchzug vermeiden.

– Tolle Videos gibt’s bei Youtube von M1Molter, zum Beispiel ein schönes Tutorial zum Thema Reibeputz.

– Irgendwann werde ich das Haus mal verreibeputzen

– Dazu brauche ich aber ein Gerüst

– oder ich seile mich ab, Ausrüstung ist vorhanden und  gelernt habe ich das auch mal!

– und ich hätte Lust auf Fensterlädern! Früher hatte das Haus mal Fensterläden, und das wäre doch toll, wenn die wieder da wären. Gar nicht so zum zumachen, sondern weil es so hübsch ist. Also Reibeputz und Fensterläden.

– Rechts vom Haus wäre eigentlich noch Platz für einen PKW-Stellplatz. Und den Randstreifen an der Straße müsste ich auch mal pflastern. Und den Weg zur Haustür auch.

– Ich mache das alles, wenn ich irgendwann mal ganz viel Langeweile habe!

– Warum habe ich eigentlich nie Langeweile?