Dann wollen wir mal…

Unser Häuschen haben wir 2011 gekauft. Ein 20er Jahre-Stadthaus im schönen Porta Westfalica. Rund 140 m² Wohnfläche in solider Substanz bewohnen wir mit vier Personen. Beim Kauf im Oktober 2011 konnte ich mich dank Selbstständigkeit und tolerantem Compagnon und Mitarbeitern ein Vierteljahr handwerklich austoben und das ganze Haus einzugsfertig renovieren und umbauen. Die Haustechnik (Elektro, Heizung…) war soweit ok, aber wir haben einen Wanddurchbruch gemacht (diese Aktion ist auch mal einen Blogartikel wert…), im Obergeschoss eine Wand weggenommen und das Bad vergrößert (mit Sockel, Fliesen, Sanitär etc.). Außerdem viel viel geputzt (sowohl mit Zementputz als auch mit Reiniger…), Türen eingebaut, tapeziert, gestrichen usw.

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Der Dachboden im jetzigen Zustand. Die Vorbesitzer hatten wohl auch schonmal was vor, daher steht dort schon Dämmmaterial.

Und nun geht’s eben unter dem Dach weiter. Warum ich darüber blogge? Ich möchte einfach mal die einzelnen Schritte zusammentragen, sei es als Unterhaltungslektüre, oder auch damit der ein oder andere ein paar Tips findet (wie es geht oder auch nicht geht…)-ich habe mir alles mögliche mühsam zusammenrecherchiert, und meine Erkenntnisse gebe ich nun weiter. Wie das Ganze am Ende wird, weiß ich zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht 🙂

Das Dach ist komplett unisoliert, es liegen also die „nackten Pfannen“ drauf, also auch ohne Unterspannbahn. „Eigentlich muss man alles neu machen!“ würde der Handwerker sagen. Die „einfachste“ und naheliegendste Lösung wäre tatsächlich, vor einem etwaigen Ausbau das Dach neu decken zu lassen; zumal die Deckung noch die Originale aus den 20er Jahre ist 🙂 Es sind noch alle Pfannen drauf, aber hier und da gibt es Spalten zwischen den Dachziegeln und wenn’s kräftig regnet, kommt auch schonmal Wasser drunter her.

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Auch diverse Dachlatten sind schon vom Vorbesitzer vorhanden. Leitungen für Strom, Antenne, LAN liegen auch schon oben.
Leider noch keine Heizung…

Nun, die 25.000 € für eine Neueindeckung habe ich zufällig nicht in der Schublade. Und auch viele andere Hauskäufer müssen nach Kauf und Grundrenovierung erstmal kleine Brötchen backen. Also: Sparen, sparen, sparen. Ich hätte ja auch die Zeit-den Platz brauchen wir nicht unbedingt. Aber die fehlende Isolierung tut schon weh. Das Treppenhaus ist wie ein Kamin, unten ist ein Heizkörper, und oben der Dachboden, wo die ganze Wärme wieder wegzieht.

Die Aufgabenstellung also: Isolieren und dann ggf. Ausbau, ohne Neu-Eindeckung. Aber so, dass man in ein paar Jahren (sparen, sparen, sparen…..) eine Neueindeckung machen kann, ohne dass die Isolierung in Mitleidenschaft gezogen wird. Sprich: Isolierung und Ausbau als vom Dach entkoppeltes System.

Dann wollen wir mal…

Immer mit der Ruhe

Beruhigt Euch, Leute! Ich renne nicht ins Verderben. Heute vier (!) Anrufe von besorgten Leuten, ob ich mir das wirklich gut überlegt hätte und die Isolation einfach so „unters Dach proppen“ möchte. Nein, nein!

Ich habe mich mit dem Thema äußest lange beschäftigt und nun eine für mich gute Lösung gefunden, die ich hier liebevoll aufgemalt habe:

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Das Problem ist ja immer, dass die Isolierung nicht nass werden darf. Das verhindert nach Außen (Regenwasser, Schnee) die Unterspannbahn, also eine Folie, die normalerweise (also sagen wir etwa seit den 70er Jahren) beim Decken unter den Dachziegeln verlegt wird und eindringendes Wasser (z.B. Schlagregen oder Schnee, der unter die Dachpfannen geweht wird, oder andere kleine Undichtigkeiten) in die Regenrinner ableitet. Also eine zweite Dachschicht, wenn man so will.

Bei älteren Dächern gibt es diese Unterspannbahn nicht und würde man nun die Isolierung einfach „unters Dach proppen“ (ist proppen eigentlich ein ostwestfälisches Originalwort?), würde es nicht lange dauern und sie würde feucht werden und einen schönen Nährboden für diverse Schimmelpilzsorten abgeben.

Man könnte also nun eine Unterspannbahn nachträglich improvisieren indem man die Folie um die Sparren herumführt. Ein nahes Familienmitglied hat das auch mal so gemacht und es hat auch irgendwie funktioniert (zumindest der sichtbare Teil des Dachbodens ist immer noch trocken, und das ist schon 30 Jahre her!).

Ich habe mir bei einer Holzfirma einen Ausbau abgeguckt (ja, ich gestehe…), bei dem anstatt Folie DWD-Platten (Diffusionsoffene Wand- und Dachplatte) benutzt wurden, die zwischen die Sparren gesetzt werden. Die Platten sind wasserabweisend und haben sogar noch Vorteile gegenüber der Unterspannbahn: sie haben eine zusätzliche dämmende Wirkung und halten im Sommer die Wärme draußen.

Also, wie in der Skizze zu sehen werden links und rechts an die Sparren Dachlatten geschraubt, darauf kommt die DWD-Platte. SO ist erstens nichts mit der Deckung verbunden und man kann unabhängig irgendwann das Dach neu decken; zweitens entsteht hinter der Platte ein Abstand zu den Latten der Deckung. Dadurch staut sich das Wasser nicht und es gibt eine Hinterlüftungsebene. Wenn das evtl. auf der Platte auftretende Wasser gut weg kann und die Platte noch belüftet wird, wird Schimmelbildung vermieden. Das Wasser auf der DWD-„Rutsche“ wird übrigens dann über eine Art Traufblech hinausgeführt in die Dachrinne.

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Vorarbeiten mit Dachdeckermörtel

Heute waren erstmal die Vorarbeiten dran. Gefühlte 90% der Zeit bei Renovierungen verbringt man ja mit Dingen, die später kein Mensch sieht. Hier zum Beispiel: Die Dachziegel sind alle von innen verschmiert (hat man früher so gemacht, wird heute nicht mehr gemacht); hier und da ist der Mörtler rausgefallen und obwohl ich ja eine 1a-Unterdeckung plane muss man den Regen ja nicht herausfordern und so habe ich die größten Lücken wieder schön geschlossen.

Der Vorbesitzer hat das übrigens auch schon probiert, mit PU-Schaum (kennt man vom Türeneinbau), ist natürlich eine einfache Lösung aber erstens dehnt sich das Zeug aus und wird bei großzügiger Anwendung möglicherweise das Dach schonnal selbst abdecken, zweitens zieht dieser Schaum Feuchtigkeit, wenn die Oberfläche spröde wird. Ich habe die vorhandenen Schaumnähte nicht rausgekratzt, aber mich dann doch für Dachdeckermörtel entschieden.

Übrigens, Dachdeckermörtel: Der ist eigentlich für das Setzen von First- oder Gratziegeln (wo die Schwerkraft Dein Freund ist!); zum Ausbessern ist er von der Konsistenz (eher so wie grober Sand) und der Haftung (gegen Null) nur bedingt geeignet. Man braucht also etwas Geduld, ich habe ihn dann irgendwann mit einer Prise normalem Zementmörtel versetzt, was die Haftung verbesserte. Generell sollte man das Zeug aber schon benutzen weil er (Achtung solides Halbwissen) soweit ich weiß elastischer und robuster als normaler Mörtel ist, und da so ein Dach sich ja ständig bewegt…

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Luflöcher schaffen

Wo oben zugeschmiert wird, wird unten rausgekloppt: Wie schon erwähnt, braucht die DWD-Platte eine Hinterlüftungsebene, außerdem muss später das Traufblech unter den Dachziegeln hergeschoben werden. Zu diesem Zweck habe ich also „mal eben“ an allen Traufen die untere Lage Mörtel weggenommen. Nicht ganz einfach: liegend mit Hammer und Meißel zärtlich zwischen den Dachziegeln stemmen.

Dabei leistete mir dieses Werkzeug gute Dienste:

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Das habe ich da oben gefunden (ein alter Schürhaken oder irgend eine Befestigung?). Ich konnte also ein Loch in die unterste Mörtelschicht stemmen und dann mit diesem Ding den Rest nach und nach rausziehen, um nicht die Dachziegel zu beschädigen (ein paar hab ich trotzdem ‚geknackt‘.

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Gebrochene Dachlatte

Beim Inspizieren seiner Dachziegel entdeckt man dann auch den ein oder anderen Mangel, wie oben im Bild eine gebrochene Dachlatte, die ich wieder geschient habe. Man sollte also tatsächlich regelmäßig sein Dach untersuchen (macht kein Mensch…)

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Gute Butter!

Auf dem Dachboden hat tatsächlich mal jemand gewohnt! Zwischen Holzuntergrund und ein paar hingelegten Bahnen Linoleum fand ich „Die Welt“ aus dem Mai 1960. Damals hatte die Butter noch ein besseres Image 🙂

Nicht in die Erdbeertorte!

Durch das Entfernen des Mörtels in der Traufe (siehe voriger Post) habe ich der ersten Ziegelreihe ja nun doch etwas Halt genommen und die Vorstellung, dass beim sommerlichen auf-der-Terrasse-verweilen die Dachziegel in die Erdbeertorte krachen, hat mich etwas beunruhigt.

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Halterung für die erste Reihe Dachziegel

Einige Ziegel waren bereits mit einer Halterung aus Draht ausgestattet, das habe ich jetzt konsequent für alle unteren Dachpfannen gemacht. Man nehme ummantelten Draht für Maschendrahtzäune auf Rolle (nicht der ganz dünne), passend schneiden, eine Seite umbiegen und hinter den Ziegel haken, andere Seite an der ersten Dachlatte festschrauben, fertig. Das Ganze dann rund 120 mal. Aber man wird mit der Zeit schneller 🙂

Im Übrigen gibt es eklatante Unterschiede was den Dachdeckermörtel angeht: Quickmix Dachdeckermörtel (von Tooom) ist um längen besser als der Max Bahr-Mörtel. Lässt sich besser verarbeiten und haftet gut.

Eigentlich bin ich großer Freund des Baustoffhandels (an dieser Stelle eine Lanze für Baustoffe Leymann mit hervorragender Beratung!), aber für „mal eben schnell“ und nah dran muss dann ja doch mal ein Baumarkt herhalten.

Planung ist alles…

…und je mehr man vorher plant, desto weniger muss man vor Ort herumprobieren.

So habe ich meinen „Dachaufbau“ unter anderem mit dem großartigen Online-Tool U-Wert-Rechner gemacht. Der U-Wert oder Wärmedurchgangskoeffizient ist das Maß für den Wärmestrom, z.B. von Luft durch ein Bauteil. Je geringer der U-Wert, desto  besser die Isoliereigenschaften.  So hat beispielsweise ein Einfachglas einen U-Wert von über 5, moderne Dreifachverglasung kommt auf 0,8.

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Dachaufbau im U-Wert-Rechner

Wie das Bild vom U-Wert-Rechner zeigt, liege ich mit meiner geplanten Dämmung etwa bei den Anforderungen der enEv 07. Ob das wirklich so ist, wird sich zeigen, aber es gibt erstmal ein gutes Gefühl 🙂 Weiterhin gibt das Tool noch praktische bauphysikalische Hinweise wie Feuchtigkeits. und Temparaturverläufe.

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Sparren-Aufdoppelung

Währenddessen geht es nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch weiter. Da die Isolation von 160mm nicht zwischen die Sparren passt, müssen diese „aufgedoppelt“ werden. Ich habe mir dazu vom Holzhändler Latten 38/78 mm besorgt, die nun mit langen Schrauben an den Sparren angebracht werden. Dadurch erreiche ich eine Sparrentiefe von etwa 210 mm. Da passt dann alles rein: 30mm Konterlattung und Hinterlüftungsebene, 22mm DWD-Platte, 160mm Isolation.

nix geschafft!

Also doch, eigentlich schon was geschafft. Immerhin zwei Sparrenfelder mit DWD-Platten und angeschlossenem Traufblech ausgestattet in etwa vier Stunden. Aber aller Anfang ist schwer und ich denke, wenn sich erst einmal ein gewisser „Workflow“ eingependelt hat, wird es bei den nächsten Feldern auch deutlich schneller gehen.

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Lattung und erste Platte angebracht

Heute war es jedenfalls ein ziemliches Gefummel. Bei den Traufblechen habe ich die Ränder etwas hochgekantet, damit eventuelles Wasser auch wirklich in Richtung Dachrinne läuft und nicht irgendwo danebenplörrt. Dann muss das Traufblech vorgebohrt und schließlich unter die Dachziegel geschoben werden.  Seitlich an die Sparren wurden dann die 3×2,5-Latten geschraubt, auf diese die DWD-Platten.  Schließlich gibt es noch einen Anschluss an die Folie vom Spitzboden mit Dampfsperren-Anschlussklebeband.

Das ist tatsächlich eine recht weiche Platte die so gar nichts mit Spanplattenkonsistenz zu tun hat. Schneiden kann man sie flott mit der Stichsäge, aber zum, Anschrauben des Traufbleches waren schon einige Schrauben 4×20 nötig. Eine Schraubenstärke unter 4mm hält kaum in der weichen Platte.

Nun hat mein Dach einen Knick (dafür gibt es bestimmt auch einen Fachbegriff, wer weiß ihn?) etwa 60 cm oberhalb der Traufe, so dass an dieser Stelle die Platten angesetzt werden müssen. Ich habe mich dafür entschieden, sie etwas überlappen zu lassen, so dass Wasser nicht in eine offene Plattenkante fließen kann:

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Untere Verbindung mit Nut+Feder, oben „Überlappung“ am Dachknick

Das zweite Feld ging schon flotter als das erste. Wichtiger als Geschwindigkeit ist hier aber die Sorgfalt, denn undichte Stellen könnten später mal äußerst unangenehm werden. Dennoch: Der Winter steht vor der Tür…. 🙂

 

Steter Tropfen…

…höhlt den Stein. Uns so geht es weiter, Sparrenfeld für Sparrenfeld wird ‚ausgekleidet‘ damit eben keine steten Tropen ins Innere gelangen. Dabei gibt es scheinbar kein einfaches 08/15-Feld, sondern jedes hat seine Herausforderungen. Ein Dachfenster hier, ein Lüftungsrohr da, immer gibt es kleine „Problemchen“ und man muss etwas improvisieren. Die Umsetzung dieser Einzellösungen zeige ich hier in den nächsten Tagen.

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Sparrenabstände auslasern

Zwei hilfreiche Tricks habe ich noch zum Messen: Wegen der Aufdopplung ist es immer etwas umständlich, die Abstände zwischen den Sparren zu messen. Hier eignet sich ein Laser-Distanzmesser. Ich habe mir angewöhnt, bei jeder Platte neu zu messen, da die Sparrenabstände in älteren Häusern auf ganzer Länge gerne mal um ein paar Zentimeter abweichen können.

Den zweiten Trick habe ich in einer Bausparkassen-Zeitschrift gefunden (ist das jetzt speißig? 🙂 ) Um die DWD-Platten rechtwinklig zu sägen, habe ich bisher immer mehrere Punkte abgemessen und eine Linie gezogen. Man kann aber auch einfach das Maß am Zollstock festhalten, am anderen Ende den Bleistift und an der Kante entlangfahren. Schon hat man eine genaue Linie und mit etwas Übung geht das irgendwann richtig gut. War mir nie richtig bewußt, dass man das so machen kann.

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Männerbohrer!

Zwischendurch habe ich noch zwei Löcher gebohrt: Für die spätere Heizung müssen Zulauf und Rücklauf von einer Etage drunter hochgelegt werden. Dazu habe ich einen ‚Schneckenbohrer‘ mit 22mm Durchmesser und einer gefühlten Länge von etwa acht Metern und in einer gewaltigen Schweinerei aus Staub und Dreck diese beiden Öffnungen gemacht. Der Vorteil ist, dass man wirklich komplett durch die Zwischendecke hindurch kommt und nicht die Hälfte von oben und die Hälfte von unten bohren muss (und man sich wahrscheinlich nie trifft).

Also: es geht allmählich voran und man sieht erste Ergebnisse 🙂 Das motiviert. Heute wird ein neues Dachfenster in extra-hoch eingebaut. Bericht folgt!

 

Das teuerste Klebeband der Welt

Ich wollte ja noch etwas berichten von Anschlüssen an nervige Störenfriede wie Dachfenster, Rohre, Schrägen…nun also erstmal das Dachfenster. Neben dem neu eingebauten gibt es bereits drei weitere Dachfenster (sowie ein Fenster in einem Erker, das wird bestimmt auch nochmal Fummelei…), die nun auch in meine Unterdeckung eingebunden werden müssen. Es gibt zu diesem Zweck von Velux oder anderen Herstellern auch schon vorgefertigte Lösungen,aber das wäre ja zu einfach.

Nun passen meine Fenster genau zwischen die Sparren, also seitlich kann ich ohnehin nicht viel anschließen. Der kritische Bereich ist obendrüber, denn man kann sich vorstellen: wenn ich meine Platten einfach bis ans Fenster schraube und dann doch mal Feuchtigkeit von oben runterläuft, wird die Soße schön aus dem Fensterrahmen pladdern.

 

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rin inne Rinne

Deshalb installiert man oberhalb des Dachfensters eine schräge Rinne, die eventuelle Flüssigkeit in das benachbarte Sparrenfeld ableitet. Dort kann sie dann über die Platten und das Traufblech bis ins Freie fließen (es sei denn im Nachbarfeld ist auch ein Fenster 🙂 )

Ein Stück Folie habe ich dazu hinter eine passende Dachlatte getackert und die andere Seite wird an die Unterseite der DWD-Platte geklebt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Rinne schräg läuft und ein Abfließen ins Nachbarfeld gewährleistet ist.

Besonders viel Freude macht das Kleben an der Innseite der Holzplatten. Als Tip kann ich weitergeben (leider bin ich auch erst nach dem zweiten Fenster drauf gekommen), dass man den Plattenstoß kurz oberhalb dieser Rinne wählt. So kommt man mit der Hand noch einigermaßen gut rein und kann das Klebeband andrücken.

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Tescon No 1

Apropos Klebeband: Das teuerste Klebeband der Welt-oder zumindest das teuerste, das ich jemals gekauft habe kostete pro Rolle stolze 24,50 € (Fünfzig Mark! Naja Mark gibts nicht mehr…): Tescon No 1. Es schafft eine wasserfeste Verbindung der Rinnen-Folie mit der Innenseite der DWD-Platte (mit Grundierung) und schafft wahrscheinlich auch alle möglichen anderen Verbindungen. Ich denke, Tragflächen von Raketen sind damit angeklebt. Es klebt wirklich unglaublich und toppt selbst mein ziemlich gut klebendes Dampfsperre-an-Wand-Anschlussklebeband. In den Verarbeitungshinweisen steht nichts von „Untergrund muss trocken und straubfrei sein blabla“ sondern lediglich: „Klebt nicht auf gefrorenen Flächen“.

Also, es war einfach eine Investition fürs gute Gefühl! Der Regen da draußen kann mir und meinem Fenster nichts! Ich habe Tescon No 1 benutzt!

Es gibt sogar noch eine Pro-Version, sagte der nette Herr vom Holzhandel. Damit klebt man dann Vulkane zu.

 

Traufenkasten-Kasten

In den letzten Tagen war ich wenig zuhause und konnte daher auch wenig Produktives dort leisten. Heute habe ich dann das erste Dach-Viertel fertig verholzt (also der Norden ist dicht! Da kann mir keiner mehr was!) und kümmerte mich um die kleinen Ecken.

Man ist ja geneigt, in den Winkeln und Ecken wo man nur liegend, kriechend oder keuchend hin kommt, wo Spinnennetze, Dreck und Marderköttel sind, schludrig zu werden. In die Ecke kriechen, sich mehrfach den Kopf stoßen und irgendwas aufschürfen, merken, dass man ein Werkzeug vergessen hat, zurückkriechen, Werkzeug holen, wieder reinkriechen, Schraube verloren, wieder zurückkriechen…. und so weiter; dann schnell das Nötigste irgendwo hinschrauben oder irgend eine Pampe in ein Loch schmieren und nix wie raus da. So ähnlich, als müsste man im Dschungelcamp unter Wassser und mit ekligem Getier eine Schatztruhe öffnen-die wird man dann auch nicht erstmal entgraten.

Das ist natürlich falsch und verwerflich! Gerade in doofen Ecken muss man sorgfältig arbeiten. Und ehrlich zu sich selber sein. Und nicht alles auf den nächsten/übernächsten Arbeitsgang schieben („Warte ab, wenn erstmal Farbe drauf ist! Du siehst nix mehr davon!“). Je besser man den Grund macht, desto besser (und einfacher) werden die darauf aufbauenden Arbeiten. Wenn das Fundament zum Haus schief ist, können auch die Tapeten das nicht wieder rausreißen.

Das also als Appell an mich selbst.

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Traufenkasten unverkleidet, mit zwei Latten zur Aufnahme der DWD-Platte

Doch ich schweife ab; eigentlich wollte ich berichten, dass ich heute die DWD-Beplankung dahingehend verbessert habe, dass die Traufenkästen nun von Innen verkleidet sind. Traufenkasten ist die Verkleidung des Dachüberstandes. In der Traufe (also dort, wo die Dachziegel ‚zuende‘ sind), hatte ich ja die Traufbleche untergeschoben und diese an die Unterdeckung angeschlossen. Diese Traufbleche sind natürlich, weil nachträglich eingebaut, nicht durchgängig sondern liegen immer zwischen zwei Sparren. Dadurch entsteht naturgemäß zumindest die Möglichkeit, dass dieser Traufenkasten von Innen Kontakt mit Feuchtigkeit hat, sei es durch einen schrägen Regentropfen oder einfach die Außenluft. Ihn einfach mit Glaswolle vollzuproppen wäre also nicht besonders ratsam, weil die Isolierung dann hier Feuchtigkeit ziehen könnte und was nützt die schönste Unterdeckung, wenn man dann doch wieder solch eine Schwachstelle hat.

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Fertige Verkleidungen

Also habe ich mich entschlossen, die Isolierung komplett von diesem Traufenkasten zu entkoppeln und diesen, wie im Bild oben zu sehen, mit einer DWD-Platte zu verschließen. Dazu am unteren Ende der Sparren zwei kleine Latten befestigen und dann mit Reststücken der Holzfaserplatten das Ganze verschließen. So bleibt der Traufenkasten auch frei und wird belüftet („kann atmen“, das ist ja immer ein geflügeltes Wort bei sämtlichen Baubeurteilungen), denn wir haben ja hier schon festgestellt dass es beim Haus eben nicht so ist wie an der Wursttheke, denn bei Letzterem ist es immer gut, wenn alles ordentlich eingepackt ist.

Auch auf die Gefahr hin, wieder abzuschweifen, kommt mir der Gedanke, ob der ganze Dämmungs-Boom (WDVS) wirklich der Weisheit letzter Schluss ist. Als die „Altbauten“, wie hier 1926, errichtet wurden, hatte die Menschheit schon einige Jahrhunderte Erfahrung im Hausbau fernab vom Höhlenleben. Also unterstelle ich, dass die Häuslebauer Anfang des 20. Jahrhunderts nicht völlig dämlich waren und sich bei gewissen Sachen was gedacht haben, zum Beispiel was den Aufbau und die Belüftung von Außenwänden angeht.

Nicht mal 100 Jahre später stellen wir das alles komplett in Frage und packen unsere Häuser in dicke Dämmstoffhauben ein, die schon zerbröseln wenn man ein Fahrrad dagegenlehnt oder sich ein Specht verirrt. Das ist zwar für die Heizkosten und die Umwelt schön und gut, aber was da bauphysikalisch passiert ist zumindest auf lange Sicht noch ziemlich unklar. Denn so lange gibt es das Ganze noch nicht (seit 1990 etwa werden die aktuellen Dämmstoffe verbaut), und über Langzeitschäden kann man daher noch nichts sagen. Im Übrigen finde ich den Gedanken, dass irgendwann alle Häuser gleich aussehen, ziemlich abschreckend.

Ich bin da kein Experte und es ist auch nur eine subjektive Einschätzung, aber vielleicht sollte man nicht alles uneingeschränkt toll finden, was auf den ersten Blick ‚logisch‘ erscheint und auch noch gut propagiert beworben wird.

Der Umweltaspekt brennt unter den Füßen, und daher bin ich großer Freund energetischer Verbesserungen; da gibt es ja auch viele andere Stellschrauben, an denen man drehen kann. Ich bin gespannt, wann WDVS wieder „out“ ist und das ganze Poroflopp wieder von den angeschimmelten Fassaden runtergekratzt werden muss; wobei auch da freut sich das Malerhandwerk 😉

 

Zwischenstand

Die gute Nachricht: Es geht voran! Die schlechte Nachricht: zum Bloggen sind die momentanen Arbeitsschritte nicht besonders abwechslungsreich. Ein Sparrenfeld nach dem anderen wird liebevoll ausgekleidet, und die einzigen „Highlights“, die diese Routine unterbrechen sind ab und zu mal eine Schräge, ein Dachfensteranschluss oder die Verwendung des Chuck-Norris-Klebebands Tuscon No. 1. Aber es geht gut voran und ich habe ungefähr ein Drittel fertig. Für ein Sparrenfeld ohne Besonderheiten brauche ich mittlerweile etwa 45 Minuten; eine deutliche Geschwindigkeitssteigerung im Vergleich zu den ersten Feldern. 🙂

Unterdeckung mit Holzfaser-Dämmplatten

Es wird immer dichter…

Sehr froh bin ich übrigens über die Traufbleche, die ich mir fertig zugeschnitten online bestellt habe. An dieser Stelle eine Lanze für
…ähhh jetzt wollte ich ein wenig Werbung machen für den Spenglerei-Shop, wo ich gut und günstig diese Bleche her habe, nun gibt’s die Seite scheinbar nicht mehr. Das bringt mich jetzt ins Grübeln. Sollte ich diesen Laden in den Ruin getrieben haben? 😉

Schrauben-Sortiment zum Dachboden-Ausbau
Allerlei Schräubchen

Ich habe eine Menge Fanpost eine Anfrage bekommen, welche Schrauben ich denn für was verwendet habe, daher hier eine kleine Übersicht:

6 x 120 für die Sparren-Aufdoppelung
4 x 60 für das Befestigen der seitlichen Latten zur Aufnahme der Holzfaserplatten
4 x 40 für das Anbringen der Holzfaserplatten
4 x 20 für die Befestigung des Traufenblechs an der Holzfaserplatte (so kurz damit die Schraube nicht durchgeht; dadurch bleibt die Plattenoberfläche unversehrt und es kommt keine Feuchtigkeit hinein)

Übrigens alles Holzschrauben bzw. Spanplattenschrauben mit Torx-Antrieb. (Außer die 4×20, die gab’s nur mit Kreuz).

Interessante Randnotiz: Wenn ich nur die DWD-Platten anbringen würde und gar keine Isolierung, hätte ich immerhin einen (theoretischen) U-Wert von 1,56! Also besser als so manches altes Fenster.

In einer Woche bin ich ein paar Tage weg und mein Ziel ist es, bis dahin die Unterdeckung fertig zu haben. Also, Anfeuern bitte! 😀