Putz-Lehre

Ich erinnere mich noch ganz gut daran, da muss ich so 14, 15 gewesen sein, und Opa schon über 90: „Opa, wir rührt man nochmal Mörtel an?“ – „Drei Sand, ein Zement!“ – so sollte man es wohl heute auch öfter machen. Anstatt alles zu googeln und auf bedenklichen Halbwissen-Seiten zu landen (wie auf diesem Blog, höhö) oder sich durch Forenstreitereien zu wühlen (wie hier) einfach mal einen Menschen fragen, der es kann. Oder konnte.

Und so habe ich mir auf der Gartenparty bei Ex-Nachbars einen Maurer geschnappt. Zum Hintergrund: Eines meiner Lebensziele ist es ja, richtig gut verputzen zu können. Kleinigkeiten wie Haus bauen, Sohn zeugen, Baum pflanzen habe ich schon gemacht, aber die wirklich schwierigen Dinge verlangen nunmal viel Übung und sind ein jahrzehnte dauernder Prozess.

Jedenfalls schnappte ich mir den Maurer, das war tatsächlich alles ein geplantes, abgekatertes Spiel; habe ihn erst etwas mit Smalltalk geködert, um ihm dann die Geheimnisse des Wandputzes zu entlocken. Er hat sich etwas geziert, aber nicht lange. Er hat ausgepackt! Ich bin mir nicht sicher, ob es die offizielle Lehrmeinung war, sicher gibt es auch andere Methoden und die Routiniers kommen wohl auch ohne jegliche Hilfsmittel aus, aber ich habe die Methode nun ausprobiert und bin zum ersten mal mit dem Ergebnis, sagen wir 93%ig zufrieden.

Ich muss es jetzt auch einfach erzählen, weil ich sonst platze – aber es muss unter uns bleiben! Rückt bitte etwas näher an den Bildschirm heran und schaut, dass niemand mitlesen kann!

Im Prinzip habe ich ja hier mal beschrieben, wie das Verputzen mit dem Abziehschlitten läuft, in dem man sich also Lehren an der Wand macht und dann den Zwischenraum zwischen zwei Lehren auffüllt und auf den Lehren abzieht. Ähnlich ist es auch bei dieser Methode, nur dass es hier ein Viertelstab ist, also eine Holzleiste mit annähernd dreieckigem Profil. Die gibt es im Holzhandel oder im Baumarkt, bei Baumärkten dann einfach darauf achten, dass das Produkt nach Holznorm und nicht nach Gurkenkrümmungsnorm gefertigt ist.

Der Viertelstab wird auf der (vorgenässten) Wand angeputzt; dabei sollte er direkt am Stein anliegen und darunter dürfen keine Fremdkörper/Vorsprünge etc. sein, denn dann wird die Putzschicht natürlich ungewollt dicker. Die Spitze des Stabes zeigt zur Wand.
Ich habe den kleinsten Viertelstab genommen, aus dem sich eine Putzstärke von 10mm ergibt.

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Viertelstab anputzen

Man bringt nun auf zwei Wandmeter zwei bis drei Viertelstäbe an und füllt den Zwischenraum auf:

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Auffüllen!

Dabei hat es sich als günstig erwiesen, den Putz zunächst nur in etwas dickerer Spachtelstärke aufzutragen und dann nochmal die volle Stärke aufzufüllen. Das gibt eine bessere Haftung als gleich den Zentimeter auf die Wand zu klatschen. Bei dem von mir verwendeten Putz (Hagalith F) hätte bei Putzstärken über 10mm sowieso zweilagig verputzt werden müssen.

Zwischen den beiden Lehren zieht man jetzt von unten nach oben mit einer Kartätsche oder einem geraden Brett ab. Die entstandenen Lücken werden wieder aufgefüllt und es wird wieder abgezogen. Der Vorteil der Viertelstäbe im Gegensatz zu den Putzlehren vom Abziehschlitten ist meiner Einschätzung nach, dass man hier fester drücken und präziser arbeiten kann:

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Abgezogen

Der Viertelstab hat eine viel definiertere Kante, man sieht ihn besser, und er ist automatisch gerade, während die Abziehschlitten-Variante auch mal ein Huckelchen haben kann. Keine Frage, das geht auch gut, und letztendlich ist es sicher auch Geschmackssache.

Wenn es hübsch geworden ist, wird der Stab wieder entnommen; hier ist der Vorteil, dass durch das dreieckige Profil nur wenig Material flöten geht. Die entstandenen Schlitze werden nun wieder aufgefüllt und mit der Traufel abgezogen:

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aufgefüllt…

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…und abgezogen

Der entnommene Stab wird dann wieder als nächste Lehre gesetzt, und so weiter. So arbeitet man sich nach und nach den ganzen Raum entlang.
Nachdem der Putz nun etwa zwei bis drei Stunden abbindet, wird er gefilzt. Dazu wird ein Filzbrett benutzt (das ist übrigens kein Schwammbrett), das Brett wird leicht genässt und dann wird unter ausgiebigen kreisenden Bewegungen die Oberfläche geglättet:

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Putz filzen

Wenn hier noch kleine Lücken auftreten, kann man etwas Putz hineingeben (nicht zu viel!) und nachreiben. Dadurch habe ich nun tatsächlich ein richtig gutes Ergebnis geschafft:

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Hossa!

Auch mit der Viertelstab-Methode braucht man etwas Übung, von daher darf ich das hier wohl ruhig veröffentlichen, ohne dass die Mauerergilde mich lyncht. Denn ohne Übung und etwas Erfahrung wird es dann wohl doch nichts.

Und Opa? Den kann ich leider nicht mehr fragen. Aber das Ergebnis hätte ihm wohl auch gefallen. Da bin ich mir ziemlich sicher.

 

5 Gedanken zu „Putz-Lehre

  1. Bei der Viertelstab-Methode bin ih ganz deiner Meinung. So haben wirs neulich auch erst beim verputzen der Garage eines Freundes gemacht.

    Wenn man ein Brett oder Eisenschien mit 100 prozentig gerader Kate hat geht das nicht nur sauberer sondern auch schneller meiner Meinung nach.

    Toller Beitrag und gute Bilder 😉

  2. Das mit dem Viertelstab kannte ich vorher tatsächlich nicht, nur die Putzschienen-Variante, die dann in der Wand verbleiben. Man findet auch (ok, jetzt natürlich schon) im Internet nichts dazu. Nur beim Maurer 🙂

  3. Pingback: Die Datsche in Klösewitz | Dann wollen wir mal!

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