Fugen-Gyver

Bei Terminbaustellen ist es ja irgendwie immer so, dass es am Ende knapp wird. Dabei ist es fast egal, ob man zwei Wochen oder zwei Monate für Projekt XY Zeit hat, wenn der Termin näher rückt, drängt die Zeit, und immer wenn’s schnell gehen muss, bleibt schonmal qualitativ was auf der Strecke. Und auch ich kann mich davon nicht völlig freisprechen und musste beim letzten Badprojekt nachbessern, es hat sich tatsächlich etwas Fugenmörtel aus einer Bodenfuge gelöst, und gerade im Eingangsbereich ist das ja schon recht ärgerlich. Und: Das hatte ich noch nie! (Klingt wie die typische Handwerkerausrede, ist aber mal wirklich so.)

Als mögliche Gründe fallen mir dazu ein: Entweder habe ich die Fuge beim Verfugen nicht genug ausgekratzt. Heißt, es ist noch zu viel Fliesenkleber in der Fuge und daher nicht genug Platz für den Fugenmörtel. Eigentlich kratze ich fast gar nicht mehr aus. Wenn die neue Fliese direkt an die Kanten der alten angelegt wird, kann man sie erstens gut ausrichten um keine Versätze zu haben, und beim Schieben auf die Endposition schiebt sich der Kleber automatisch aus der Fuge raus, so dass man eigentlich kaum noch freikratzen muss. Dieses Kratzen hat im Übrigen auch den Nachteil, dass es erstens eine sehr stupide und totlangweile Arbeit ist, zweitens zu lange aufhält und drittens beim Abrutschen des Werkzeugs eine empfindliche Fliesenoberfläche schonmal beschädigt werden kann.

Langer Rede, kurzer Sinn, es ist also womöglich trotzdem zu viel Kleber an dieser Stelle der Fuge verblieben, oder unter der Fliesenecke ist nicht genug Kleber und daher wippt die Ecke leicht beim Betreten, wodurch sich der Mörtel lösen kann.

Behoben habe ich das Ganze nun, indem ich beide möglichen Ursachen (vielleicht gibt es ja auch noch eine andere Ursache, das werde ich dann aber erst nach dem Verfugen feststellen können. Dann muss allerdings KOMPLETT ALLES WIEDER RAUSGERISSEN WERDEN. Ja, auch Wände und Decke. Alles.)

Zunächst habe ich die betroffenen Fugen akribisch ausgekratzt:

Fugen auskratzen
Fugen auskratzen

Dabei immer wieder kratzen und staubsaugen, die Kelle auch mal schräg halten, und darauf achten, die Fliesen nicht zu beschädigen.

Dann habe ich mir in der Apotheke eine Spritze besorgt und mit einem Strohhalm verlängert. MacGyver lässt grüßen! Den recht flüssig angerührten Kleber habe ich damit in die ausgekratzten Fugen gespritzt und dabei auch etwas unter die Fliese gezielt. Durch abwechselndes Anklopfen der Fliese mit der Faust und Nachfüllen des Klebers gelangt dieser in alle Ritzen. Zwischendurch immer mit der Kelle nachschwabbeln, so wie beim Estrich :)

Fliesenkleber spritzen
Fliesenkleber spritzen mit medizinischem Besteck

Danach dann das Ganze mit einem Tuch abgewischt und die Fugen etwa bis zur Hälfte ausgewischt. Das soll jetzt mal zwei Tage so trocknen, danach kratze ich den Rest Kleber aus und verfuge neu. Dieses mal dann allerdings mit Bauschaum und grobem Kies.

Wo wir grad bei Fugen sind, das hier sind die Fugen in unserem Erdgeschoss-Bad:

gebrochene Fliesen
Gebrochene Fliesen und defekte Fugen in einem alten Bad

Das war in Ansätzen schon so, als wir das Haus gekauft haben und wird jedes Jahr etwas schlimmer. Wie man sieht, sind auch einige Fliesen gebrochen, daher tippe ich mal auf den falschen Untergrund. Auf Holzbalkendecken geht eigentlich nur Rigidur (oder vergleichbares), ggf. mit Entkopplungsmatte. Bei uns hat man damals wahrscheinlich einfach Spanplatte genommen.

Irgendwann kommt das Bad auch mal neu, aber bis es soweit ist sollte ich vielleicht doch mal an diesen Stellen ein wenig nachfugen. Okay, kommt mit auf die ToDo-Liste.

Oh, voll :)

 

 

Ein Gedanke zu „Fugen-Gyver

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