Daraus, dass ich kein gro\u00dfer Fassaden-D\u00e4mm-Freund bin, habe ich ja hier nie einen Hehl gemacht. Und doch muss ich mich unweigerlich mit der Thematik besch\u00e4ftigen, wenn bei uns n\u00e4chstes Jahr die Dacherneuerung ansteht. Denn nat\u00fcrlich kann ich nicht einfach im Liegestuhl liegen und den Dachdeckern zuprosten, ich nutze nat\u00fcrlich die Gunst der Stunde und vor allen die Gunst des Bauger\u00fcsts, um die Fassade zu erneuern. Sprich: Schadhaften Putz entfernen, neuer Grundputz mit Armierungsgewebe und dann einen Strukturputz als Finish.<\/p>\n
Tats\u00e4chlich fordert die EnergieEinsparVerordnung 2014 eine Fassadend\u00e4mmung, wenn der Au\u00dfenputz auf einer Fl\u00e4che von mehr als 10% erneuert wird (\u00a79 Abs.1) Die Auslegung, die ich hier<\/strong> <\/a>gefunden habe, sagt zum Gl\u00fcck, dass eine Erneuerung des Au\u00dfenputzes nur vorliegt, wenn auch tats\u00e4chlich der alte Putz komplett abgeschlagen wird. Das ist bei mir dann nicht der Fall, also komme ich wohl drum herum. Ansonsten w\u00fcrde mir ein Bu\u00dfgeld von bis zu 50.000 \u20ac drohen (Schluck!).<\/p>\n Es ist ja nicht so, dass es nicht schon mal fast so weit gekommen w\u00e4re – als wir das H\u00e4uschen 2011 gekauft haben, sprach sowieso alle Welt von Fassadend\u00e4mmung und WDVS, kritische Stimmen gab es eigentlich gar nicht und auch ich habe insgesamt drei Angebote von verschiedenen (und ich glaube auch verschieden kompetenten) Firmen dazu eingeholt.<\/p>\n Was sollte gemacht werden? Weiterhin ist es bei uns so, dass die Fensterlaibungen, wie es damals hie\u00df „nicht viel hergeben“. Klebt man also dort eine D\u00e4mmplatte rein, und sei sie noch so d\u00fcnn und hocheffizient, wird sie wohl ins Fenster ragen. Also wurde angeboten, 66,2 lfm Fenster- und T\u00fcrlaibungen auszustemmen <\/em>und nat\u00fcrlich auch wieder fachgerecht zu entsorgen. R\u00fcckblickend hege ich gro\u00dfe Zweifel, erstens an der Bei einer anderen Firma wird diese T\u00e4tigkeit dann auch explizit als Azubistunden<\/em> angeboten, der darf dann also die Laibungen ausstemmen, na herzlichen Gl\u00fcckwunsch.<\/p>\n Das ganze Objekt w\u00fcrde dann mit 160mm D\u00e4mmplatten verkleidet, also geklebt und ged\u00fcbelt; hinten habe ich drei Fenster, die sowieso nur 30cm breit sind, dann kann man sich dann vorstellen, wie traumhaft das aussehen wird. Es wird dann armiert und gespachtelt, den Abschluss bildet ein Dekorputz und die Steinfensterb\u00e4nke weichen dann modernen Alu-Fensterb\u00e4nken.<\/p>\n Die bekannte Suchmaschine G. findet \u00fcber 45.000 Eintr\u00e4ge zu „WDVS Sch\u00e4den“; Artikel, die \u00fcber Sch\u00e4den durch D\u00e4mmung berichten gibt es reichlich, denn von m\u00f6glichen Brandlasten und Umweltsch\u00e4den bei der Entsorgung mal abgesehen, wird die Geb\u00e4udeh\u00fclle dadurch auf jeden Fall deutlich luftdichter, das kann ohne das st\u00e4ndige L\u00fcften oder ein L\u00fcftungssystem schonmal problematisch werden (siehe hier<\/strong><\/a>); von Problemen mit Schimmel, Algen, K\u00e4ltebr\u00fccken usw. wird immer wieder berichtet (Links? Links<\/strong><\/a>, Links<\/strong><\/a>, und auch diese<\/strong> <\/a>spezielle Homepage im Retro-Design \ud83d\ude42 ). Von Langzeitfolgen wei\u00df man noch gar nicht viel, au\u00dfer, dass sich regelm\u00e4\u00dfig Fassaden \u00fcber die Jahre und Jahrzehnte mit Wasser vollsaugen k\u00f6nnen.<\/p>\n Sicherlich h\u00e4ufen sich die Probleme bei nicht fachgerecht<\/em> ausgef\u00fchrten WDVS, aber auch bei den Fachgerechten packe ich mein Haus in eine luftdichte H\u00fclle ein. Und das widerstrebt mir schon vom Gef\u00fchl her!<\/p>\n Die immowelt<\/strong> <\/a>stellt bei der Gelegenheit in ihren recht lesenswerten News <\/em>fest, dass sich die energetische Sanierung, hier im Bezug auf den Verkaufwert, kaum rentiert. Der Artikel<\/strong> <\/a>zeigt au\u00dferdem, dass auch bei vermieteten Wohnungen nur 32% der Makler an einen h\u00f6heren Mietpreis durch Sanierung glauben.<\/p>\n Apropos rentabel: W\u00e4hrend ich die gut gemachte Dachd\u00e4mmung (bzw. D\u00e4mmung der oberen Geschossdecke) nach wie vor begr\u00fc\u00dfe, ist die Fassadend\u00e4mmung die teuerste Ma\u00dfnahme mit vergleichweise deutlich geringerem Effekt. Butter bei die Fische?<\/p>\n Die drei von mir eingeholten Angebote beziehen sich auf eine Fassadenfl\u00e4che von 220 m\u00b2. Kosten: Achja, die letzte Firma gibt es mittlerweile nicht mehr (einmal mehr der Beweis, das sich billige Preise auf Dauer nicht durchsetzen).<\/p>\n F\u00fcr mein nicht-fassadenged\u00e4mmtes H\u00e4uschen zahle ich rund 1776 \u20ac Gas im Jahr; davon mal einen Anteil von 10% f\u00fcrs Warmwasser abgezogen, bleiben rund 1600,00\u20ac. Die WDVS- Puh, jetzt bin ich gerade selber etwas baff, dass 84 Jahre dabei herauskommt? Ich h\u00e4tte mit der H\u00e4lfte gerechnet und das schon als viel zu lang empfunden. Habe ich mich verrechnet? Liest hier jemand mit, der besser rechnen kann? Nein , ich glaube, es ist tats\u00e4chlich so. Klar kann man noch argumentieren, dass das Gas sicher irgendwann teurer wird; aber es m\u00fcsste schon mehr als viermal so teuer werden, damit es bei mir eine halbwegs realistische Armotisierungszeit g\u00e4be. Und wenn Gas viermal so teuer ist, l\u00e4sst man sich vielleicht auch irgendwas besseres einfallen, als die H\u00e4user noch dicker einzuwickeln.<\/p>\n \u00dcbrigens: selbst die Hohlwandd\u00e4mmung, die ich kurz angedacht hatte (und bei deren Anbietern es noch mehr schwarze Schafe gibt als beim WDVS), w\u00fcrde sich, legt man Kosten von rund 5000,- zugrunde, erst nach \u00fcber 15 Jahren armotisieren. Und die Fassadend\u00e4mmung, ha, hab ich auch nochmal kurz gerechnet, kostet 84 Jahre lang etwa 88 Cent pro Tag, also rund nen Euro. Daf\u00fcr kann man sich jeden Tag einen Einkaufswagen kaufen!<\/p>\n Gibt’s alles nicht! Schluss, Aus, Ende! In 84 Jahren bin ich 120! Da werde ich sowieso frieren, ob mit D\u00e4mmung oder ohne! Aber dann sitze ich zufrieden in meinem Sessel und schaue hinaus auf den Garten, wo meine hundert Enkel Kricket spielen, oder so. Und vorne auf dem Hof parken 27.000 Einkaufswagen.<\/p>\n <\/p>\n
\nDie Fassade wird komplett einger\u00fcstet, der vorhandene Putz wird dann per Hochdruckreiniger von Verschmutzungen und losen Beschichtungen befreit. Soweit so gut, alles Arbeiten, die auch bei der normalen Putzrenovierung anstehen werden. Aber dann: Alle bestehenden Fensterb\u00e4nke werden fassadenb\u00fcndig<\/em> (sch\u00f6nes Wort) abgeschlagen und fachgerecht entsorgt<\/em>. Meine sch\u00f6nen (ok, im Moment sind sie nicht so sch\u00f6n) Steinfensterb\u00e4nke, die sogar einen Weltkrieg! \u00fcberstanden haben, werden also den Malermeister B. nicht \u00fcberstehen und fassadenb\u00fcndig fachgerecht irgendwo hin entsorgt. Nebenbei \u00fcbrigens muss alles, was irgendwie am Haus angebaut ist, entfernt werden. Angefangen von T\u00fcrschild und Briefkasten (leicht) bis hin zum kompletten Vordach \u00fcber der Hintert\u00fcr (Uff!) und auch die seitliche \u00dcberdachung zur Garage (nee!).<\/p>\nSinnhaftigkeit<\/del> tats\u00e4chlichen D\u00e4mmwirkung (ich nehme eine Menge Bausubstanz weg und klebe daf\u00fcr D\u00e4mmung rein, wie viel Mehrwert kommt am Ende dabei heraus?) und zweitens an der statischen Substanz: denn wie wir hier<\/strong> <\/a>mal festgestellt haben, lieber Leser, hat der gemeine Sturz ein Mindestauflager von nur 115mm. Wenn da nun noch was weggestemmt wird, entsorgt sich vielleicht auch einfach mal der ganze Fenstersturz von selbst, nur nicht so fachgerecht?<\/p>\n
\nFirma 1: 27.011, 24 \u20ac
\nFirma 2: 26.717,89 \u20ac
\nFirma 3: 21.761,00 \u20ac<\/p>\nLobby<\/del> Industrie wirbt mit Einsparm\u00f6glichkeiten von 30%, ich halte maximal<\/em> 20% f\u00fcr realistisch, macht also eine j\u00e4hrliche Einsparung von 320 \u20ac. Die Fassadend\u00e4mmung h\u00e4tte sich also bereits nach gut 84 Jahren armotisiert!<\/p>\nTeilen mit:<\/h3>